Schlagwort-Archive: Roman

Ferdinand von Schierach | Verbrechen

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Ferdinand von Schierach ist seit 17 Jahren Strafverteidiger. In mehr als 700 Fällen hat er Kriminelle, Schwerverbrecher und Unschuldige vertreten. Aber mit der Schuld ist es so eine Sache. In 11 Kurzgeschichten berichtet er welch skurrile, unglaubliche und tragische Umstände zu Straftaten führen können. Ein spannender und lesenswerter Einblick in die Abgründe der Menschheit – vor denen niemand sicher sein kann.

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Clay Carmichael | Zoë

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Die zwölfjährige Zoë zieht nach dem Selbstmord ihrer Mutter ein weiteres Mal zu einem unbekannten Mann: ihrem Onkel Henry. Henry, nur noch selten praktizierender Herzchirurg und Künstler, ist ein sehr zurückgezogener, kauziger  Mann. Für Zoë ist das nur ein kleines Übel, waren doch die vielen Exmänner ihrer depressiven Mutter Taugenichtse. Sie freundet sich mit einem streunenden Kater an und erkundet die umliegenden Wälder. Dort macht sie einige Entdeckungen: Ein weißes Reh streunt durch den Wald und wird von einem starken Beschützer begleitet, doch wer ist der junge Mann? Im nördlichen Wald entdeckt Zoë zudem eine verfallene Hütte und einen Wohnwagen. Gehören die beiden Funde zusammen? Bevor Zoë dieses Rätsel lösen kann, wird die Hütte verwüstet. Was steckt dahinter?

Clay Carmichael hat mit „Zoë“ ein Jugendbuch geschrieben, das auch Erwachsenen gefällt. Das junge Mädchen Zoë hat in ihrer Vergangenheit kaum Sicherheit und Geborgenheit kennengelernt und eine dicke Schutzmauer aufgebaut. Nach und nach erfährt man, wieso Zoë jeden auf Abstand hält und spricht wie eine Erwachsene. Sehr einfühlsam beschreibt Carmichael die Annäherung zwischen Zoë und ihrem Onkel Henry, der sich nach einem Schicksalsschlag ebenfalls von der Außenwelt zurückgezogen hatte.
Mal plätschert die Geschichte gemütlich vor sich hin, dann nimmt sie wieder Fahrt auf und man kann es gar nicht erwarten, die Seite umzublättern, um den Ausgang der Geschehnisse zu erfahren. Sehr schönes Buch nicht nur für junge Leser!

Testleserunden bei Lovelybooks

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Ui, nach langer Zeit hab ich innerhalb einer Woche gleich bei zwei Testleserunden von Lovelybooks gewonnen! Da freu ich mich sehr. Allen Leseratten unter euch kann ich nur empfehlen, dort immer mal reinzuschauen und mitzumachen. Es gibt spannende Bücher zu gewinnen. Einzige Bedingung ist, dass man am Ende eine Rezension über das Buch schreibt. Während des Lesens hat man die Möglichkeit sich mit den anderen Testlesern – manchmal sogar dem Autor – auszutauschen.

Die beiden Bücher könnten unterschiedlicher nicht sein:

Pierre Franckh | Einfach erfolgreich sein

Klappentext: „Warum willst du erfolgreich sein?“ Bei dieser Frage kam Pierre Franckh, beliebter und hocherfolgreicher Buchautor, der scheinbar mühelos Glück und Erfolg in sein Leben zieht, ganz schön ins Straucheln. Erfolg bringt Geld, Sicherheit, Anerkennung, Bewunderung, Luxus – wer wollte das nicht? Doch ist das wirklich das, was uns motiviert? Und warum macht jemand weiter, der all dies schon erreicht hat? Pierre Franckh zeigt in „Einfach erfolgreich sein“, dass Erfolg wesentlich mehr ist als die Suche nach Anerkennung oder Geld. Erfolgreich sein heißt für ihn, den eigenen Lebensplan zu entdecken und diesem Ruf zu folgen.

Clay Carmichael | Zoë

Klappentext: Die zwölfjährige Zoë ist wild, unerschrocken und eigensinnig. Sie verlässt sich am liebsten auf sich selbst, zu oft ist sie enttäuscht worden. Mit Freundschaft und Familie hat sie wenig Erfahrung. Nach dem Tod der Mutter kommt Zoë zu ihrem Onkel Henry, einem Eigenbrötler, der in einem großen Haus am Waldrand lebt. Wird es wieder eine Enttäuschung? Zoë geht ihrer eigenen Wege. Bei langen Erkundungstouren im Wald stößt sie auf einen alten Wohnwagen. Wohnt darin der geheimnisvolle Junge, den sie im Schatten der Bäume vermutet? Eines Tages ist der Wohnwagen verwüstet. Spätestens jetzt muss sie herausfinden, was es mit dem Jungen auf sich hat. Doch dazu braucht Zoë Hilfe.

Alan Bradley – Mord im Gurkenbeet

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Flavia de Luce, elf Jahre alt und mit einer heißen Leidenschaft zur Chemie gesegnet, lebt mit ihren zwei älteren Schwestern und ihrem Vater auf einem alten Familienanwesen. Dort mischt sie mit Vorliebe Gifte zusammen und probiert verschiedene Essenzen heimlich an ihren Schwestern aus, während der Vater die meiste Zeit mit seiner Briefmarkensammlung zubringt. Dieses Familienidyll wird jäh gestört, als Flavia eines Morgens einen Mann im Gurkenbeet findet, der just in diesem Moment sein Leben aushaucht. Der erste Verdacht fällt auf ihren Vater, der sich am Vorabend mit dem Verstorbenen gestritten hatte. Doch Flavia verlässt sich nicht auf Polizeiarbeit und ermittelt auf eigene Faust – liegt es doch auf der Hand, dass der Mann vergiftet wurde.

Wer einen typischen Krimi erwartet, wird enttäuscht sein. Dieser Roman hat viel mehr zu bieten als einen Mord, den es aufzuklären gibt: ein vorlautes, neunmalkluges Mädchen brilliert mit ihren Chemiekenntnissen, fragt den Dorfbewohnern Löcher in den Bauch, schafft sich unerlaubten Zutritt zu diversen Orten, an denen sie Informationen erhofft, klettert in luftige Höhen – und ist somit der Polizei meist einen Schritt voraus. Das Besondere an diesem Roman ist die wunderbare Sprache, in der er geschrieben ist. Sie ist so bildhaft und lebendig, wie sie kaum in einem Krimi zu finden ist. Ein wahrer Lesegenuss.

Sie schnappte nach Luft. Ihr Gesicht wurde erst rot und dann grau, als wäre sie vor meinen Augen in Flammen aufgegangen und zu einem Häufchen Asche verbrannt. Dann zog sie ein Spitzentaschentuch aus dem Ärmel, zerknüllte es und stopfte es sich in den Mund. So saß sie einen Augenblick lang stumm da, wiegte sich hin und her und biss auf ihr Spitzentaschentuch wie ein Seemann im 18. Jahrhundert, dem man gerade das Bein unterhalb des Knies amputiert.

Seite 77

Suzanne Collins – Die Tribute von Panem | Flammender Zorn

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Katniss wurde aus den Hungerspielen gerettet und nach Distrikt 13 gebracht. Schwer mitgenommen wird sie aufgepäppelt, um für die Rebellen im Spotttölpelkostüm als Leitfigur zu dienen. Doch was ist mit Peeta? Er wurde vom Kapitol gefangen genommen und gequält, weiß nicht mehr was Gut und Böse ist.
Katniss ist verzweifelt. Überall herrscht Krieg und Aufruhr, so viele Menschen sind gestorben oder geben bereitwillig ihr Leben im Kampf gegen das Kapitol – und sie allein fühlt sich verantwortlich.

Der dritte Band der „Tribute von Panem“-Trilogie ist recht düster. In allen Distrikten herrscht Aufruhr, sowohl die Rebellen als auch das Kapitol versuchen die Bewohner für sich zu gewinnen – mit verheerenden Auswirkungen. Jedes Mittel scheint gerechtfertigt, Tod und Zerstörung werden in Kauf genommen. Katniss merkt schnell, dass auch ein Sieg über das Kapitol vor allem den Verlust vieler Menschen bedeutet.
Als wäre dieser innere Kampf nicht genug, weiß Katniss Herz noch immer nicht, für wen es schlagen soll: Gale, ihren besten Freund, oder Peeta, ihren Mitstreiter in den Hungerspielen. Als Letzterer schwer verstört und mit Gift und falschen Erinnerungen im Wesen extrem verändert befreit und nach Distrikt 13 gebracht wird, scheint alle Hoffnung auf einen Kampf der beiden Helden Seite an Seite und ein romantisches Ende ausgelöscht. Auch Gale giert nur noch nach Rache und ersinnt todbringende Waffen. Schnell wird dem Leser klar, dass – genau wie der Krieg in Panem – das Buch kein gutes Ende nehmen kann, egal wie es ausgeht.

Ich hatte mir mehr erhofft vom letzten Band. Ich war bei Weitem nicht so gebannt von der Geschichte und ein Teil von Panem wie bei den ersten Bänden. Zwar wird der Zwiespalt, in dem sich Katniss befindet, gut herausgestellt, man kann nachempfinden, wie sehr sie sich nach ihrem alten Leben sehnt, nach Ruhe und einem Zuhause, und wie sehr diese Sehnsucht schmerzt angesichts der Tatsache, dass es kein Zurück gibt. Dennoch fehlt mir die Leidenschaft der vorherigen Bände. Einzig Katniss Beziehung zu Gale und Peeta, und das bange Warten auf den Ausgang, sorgten für banges Herzklopfen. Zu lesen, wie schwer es ihr fällt, sich Gewissheit über ihre Gefühle zu verschaffen, und dabei selbst immer wieder zu überlegen, wie man sich in der Situation entscheiden würde – um dann genauso wenig klar eine Entscheidung treffen zu können, lässt die ein oder andere Träne kullern.
Das Ende hält einige überraschende Wendungen bereit. Für meinen Geschmack aber viel zu kurz gehalten in Anbetracht der insgesamt sehr ausführlichen Geschichte. Katniss entscheidet sich letztendlich für einen der beiden Männer, doch wieso genau und wie alle drei damit umgehen und auch wie Katniss Freunde und Familie mit dem Ausgang des Krieges umgehen, wird nur angerissen. Für eine solch bildhaft und detailreich beschriebene Geschichte ein farbloses Ende. Und ich hätte mich wohl für den anderen Mann entschieden … 😉

Tana French – Totengleich

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Wow, das Cover ist toll! Im Buchladen meines Vertrauens wurde groß Werbung für Tana Frenchs dritten Roman Sterbenskalt gemacht. Hörte sich gut an. Daneben stand der zweite Band Totengleich. Leider gab es den ersten Band (Grabesgrün) nicht 😦 Das Buch hörte sich aber so spannend an, dass ich es wagte und den zweiten vor dem ersten Band mitnahm. Noch nicht ganz schlüssig, ob ich wirklich mittendrin anfangen sollte, ließ ich das fast 800 Seiten dicke Schätzchen liegen. Nach dem Lesen einiger Rezensionen entschied ich mich dann doch, direkt mit dem zweiten Band zu starten.

Hauptfigur sowohl des ersten als auch zweiten Buches ist Cassandra „Cassie“ Maddox, Detective für Häusliche Gewalt in Dublin, war aber zuvor als Undercover-Agentin und im Morddezernat tätig. Dem Leser wird nach und nach kurz erklärt, wie es dazu kam, dass Cassie nun nicht mehr die „spannenden“ Fälle bearbeitet. Genauere Aufklärung dürfte Band 1 geben.

In einem alten Cottage wird eine tote junge Frau gefunden, die Cassie Maddox bis aufs Haar gleicht. Doch nicht nur das. Auch hat sie Cassies alte Undercoveridentität angenommen und lebte unter dem Namen Lexie Madison. Um aufzuklären, wer diese Frau war, warum sie getötet wurde und wer ihr Mörder war, wird aus Cassie wieder Lexie. Sie kehrt nach Whitethorn House zurück – zurück zu Abby, Rafe, Daniel und Justin. Die fünf waren nach außen Außenseiter, doch lebten als enge Gemeinschaft zusammen. Sie bildeten eine scheinbar untrennbare Einheit. Cassie, die sich zu Beginn noch gegen diese Ermittlungen sträubte, lernt mehr und mehr das Leben der fünf zu schätzen. Die reale Welt scheint so fern, dass die Undercoverarbeit immer lästiger wird, die Grenzen verschwimmen. Bis Daniel misstrauisch wird. Ist es wirklich Lexie die zurückgekehrt ist?

Tana French zieht den Leser gekonnt immer tiefer in das Leben in Whitethorn House hinein. Wie ein KoKon wirkt die Kombination aus weicher Sprache und verschlungenen Geschehnissen.

Der Garten verschreckt, im verblassenden goldenen Licht. Die Vögel verstummt, die schwingenden Zweige mitten in der Bewegung erstarrt, das Haus eine gewaltige Stille, die lauschend über uns hing. Ich hatte aufgehört zu atmen. Lexie kam über das Gras geweht wie ein sibriger Windstroß, sie wiegte sich in den Weißdornbäumen und balancierte leicht wie ein Blatt auf der Mauer neben mir, sie glitt an meiner Schulter entlang und brannte mir den Rücken hinunter.

Seite 577

Ein sehr gelungener Roman, der in vielen Teilen mehr ist als einfach nur Krimi. Punktabzug gibt es für die manchmal doch etwas zu weitschweifigen Ausführungen. 100 Seiten weniger hätten dem fast 800 Seiten langen Krimi keinen Abbruch getan. Trotz allem: Auch Buch eins und drei werden den Weg in mein Bücherregal finden.