Nacht

Standard

Die Nacht legte sich über uns und mit ihr kam die Stille. Sterne glitzerten am nachtblauen Himmel wie kleine Kristalle. Die Wärme, mit der uns die Frühlingssonne am Tag verwöhnt hatte, war dem Kühl der Nacht gewichen.
Ich spürte, wie er hinter mich trat, sein Körper vertraute Nähe ausstrahlte. Er war noch immer verstimmt. Wie eine dunkle Wolke schwebten seine Gedanken um ihn, undurchdringbar und regenschwer. Ich drehte mich nicht um, lehnte mich nur leicht gegen ihn. Eine Weile standen wir so da, ließen den Blick über die leuchtende Stadt gleiten, sahen ihr zu, wie die Nacht von ihr Besitz ergriff, sie sich zu eigen machte und nach und nach verschlang.
Ich hatte es mir abgewöhnt, ihn in solchen Momenten zu fragen, welche Gedanken ihn beschäftigten. Wenn in seinen Augen diese ferne Sehnsucht lag, nach etwas suchend, von dem er selbst nicht wusste, was es war, dann fühlte ich, wie ich ihn verlor. Ich konnte nur warten. Warten, dass er fand, wonach seine Seele sich so sehr verzehrte. Die Angst war mein Begleiter, setzte sich neben mich, schlenkerte mit den Beinen, bereit sich auszubreiten. Ich hielt sie auf Abstand, aber sie kam näher. Jedes Mal ein kleines Stückchen näher.
Mit einem leisen Seufzen legte er die Arme um mich, drückte mir sanft einen Kuss auf den Kopf und schmiegte seine Wange rau und stoppelig an meine Schläfe. Er war zurück.

(Musik …)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s